Fünf Fragen an Bitkollegen-Co-Founderin Franziska: Was ist verantwortungsbewusste Offshore-IT?

In den letzten Wochen haben uns viele Fragen erreicht. Dazu, was wir machen, warum wir es machen und warum wir es genau so machen. Via E-Mail, LinkedIn oder in Gesprächen mit Freuden und Kollegen aus Deutschland. Hier haben wir mal ein paar Fragen gesammelt und beantworten diese für Euch. 

Was ist IT-Outsourcing oder Offshore-IT und warum besteht das Bedürfnis, auf verantwortungsbewusstes Handeln zu achten? 

IT-Outsourcing/-Offshoring ist die Auslagerung von IT-Dienstleistungen, die ohne physische Anwesenheit beim Arbeitgeber/Auftraggeber geleistet werden – von überall auf der Welt. Das reicht von Einzelaufträgen, z.B. dem Erstellen von Webseiten, Apps, Online-Rechnern, Portalen oder sonstigen Tools, bis hin zur Integration von Mitarbeitern, die in der Outsourcing-Destination arbeiten, in Teams eines Unternehmens mit Sitz in Europa. 

Länder mit niedrigen Lebenshaltungskosten und generell geringem Einkommensniveau, aber hohem Bildungsstandard sind dafür besonders beliebt. So ist das auch mit Indien. Viele große Tech-Unternehmen, z.B. Google und Microsoft, beschäftigen hier Tausende von Mitarbeitern. Wenn das Ziel des Outsourcings allerdings ist, möglichst viel Leistung zu einem möglichst günstigen Preis zu bekommen, kann dies nachteilige Folgen haben. So kann es passieren, dass sogar für die jeweilige Destination noch unterdurchschnittliche Gehälter gezahlt werden, der Arbeitgeber sich weigert, die Krankenversicherung zu übernehmen, Arbeitstage 12 Stunden haben und Mitarbeitende, die sich beschweren oder nicht performen, aufgrund des überlaufenen Arbeitsmarktes, ohne Weiteres ausgetauscht werden können. 

So ging es auch einigen unserer Mitarbeitenden. Diese Geschichten haben uns nachdenklich gemacht. Von vornherein hatten wir vor, in Indien Arbeitsbedingungen wie in Deutschland umzusetzen. Aber auch wir mussten lernen, was alles dazu gehört und lernen auch noch weiter, wie wir die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden optimal gestalten können. 

Was bekommen denn die Mitarbeitenden genau, was sie bei anderen Arbeitgebern in Indien nicht erhalten würden? 

Da gibt es verschiedene Dinge, ich möchte nur ein paar aufzählen: 

Eine Krankenversicherung zum Beispiel, die hier eben nicht Standard ist, sondern ein Extra, welches der Arbeitgeber organisieren muss. Dafür kann man für ein paar Euro mehr auch die Familie des Mitarbeitenden einschließen. Eine sinnvolle Sache, denn rund 90% der Inder sind nicht krankenversichert. 

Eine andere Sache sind flexible Arbeitszeiten. Unser Büro ist von 8-20 Uhr geöffnet. Unsere Mitarbeiter können Ihre Arbeitszeit innerhalb dieses Zeitfensters flexibel gestalten. Sie dürfen auch Homeoffice machen, was aktuell aber kaum in Anspruch genommen wird, denn unser neues und vollklimatisiertes Büro bietet umfassenden Comfort bei der Arbeit und wird von den Mitarbeitenden aktuell sehr gut angenommen. 

Wir möchten außerdem gut ausgebildete junge Frauen fördern. Davon gibt es hier sehr viele, die gute Studienabschlüsse und auch schon einige Jahre Berufserfahrung haben. Wenn Frauen allerdings heiraten bzw. Kinder bekommen, haben Sie bei den meisten Arbeitgebern in Indien nur die Möglichkeit, in Vollzeit oder gar nicht in den Beruf zurückzukehren. Eine ganze Gruppe von qualifizierten Fachkräften fällt damit für den Arbeitsmarkt weg. Wir versuchen, durch das Angebot von Teilzeit und Homeoffice nach Bedarf, diesen Frauen die Möglichkeit zu bieten, den Anschluss im Beruf zu behalten, indem sie z.B. mit 15 Stunden trotz Familiengründung in der Woche an Projekten mitarbeiten können.

Zuletzt gehört zur Förderung von Frauen auch, dass wir bei Bedarf den Transport von zuhause ins Büro verantworten, z.B. durch Taxifahrten oder einen Fahrer, damit unsere Mitarbeiterinnen, die selbst kein Fahrzeug haben, nicht um ihre Sicherheit besorgt sein müssen. 

Warum sollte es deutsche bzw. europäische Unternehmen interessieren, wie genau die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden bei einem Outsourcing-Dienstleister sind? 

Ganz generell finde ich, sollte es jedes Unternehmen interessieren, welches eine Leistung einkauft, wie diese zustande gekommen ist. Es gibt natürlich bestimmte Märkte, in denen es praktisch unmöglich ist, Produkte wirklich nachhaltig, sozial bzw. sustainable zu bekommen. Alles, was mit seltenen Erden zu tun hat, fällt bspw. in diesen problematischen Bereich. Im IT-Outsourcing ist das nicht so. Alleridings wurde bisher – so habe ich es wahrgenommen – von den einkaufenden Unternehmen oft nicht genau hingesehen. Viele andere Dienstleister in diesem Bereich zeigen leider nicht transparent auf, wie bspw. die Büros aussehen und geben Einblicke in den Arbeitsalltag. 

Darüber hinaus gibt es aber in Deutschland und Europa zunehmende Anforderungen, die Unternehmen sogar verpflichten, bei ihren Lieferanten und Dienstleistern genauer hinzuschauen. Diese Verpflichtungen kommen aktuell aus dem Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz (LkSG), welches ab 2024 für alle Unternehmen ab 1000 Mitarbeitenden eingreifen wird. Unternehmen müssen nach dem LkSG nach diversen Kriterien prüfen, wie Lieferanten mit Ihren Mitarbeiten umgehen. Tun sie dies nicht, können empfindliche Bußgelder fällig werden. Zudem wird gerade ein europäisches Lieferkettenrecht auf den Weg gebracht, das grundsätzlich schon für Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden greifen soll und einen noch weiteren Fokus, z.B. auch auf Umwelt- und Klimaschutz, hat.

Es ist davon auszugehen, dass sich in Zukunft die Anforderungen an deutsche Unternehmen, bei der Beschaffung soziale und ökologische Bedingungen zu beachten, weiter verschärfen werden. 

Sozial ist schön und gut, in Indien gibt es aber doch auch viele Umweltprobleme? Beschäftigt Ihr Euch auch damit? 

Zugegeben, da stehen wir noch ganz am Anfang. Unser Office ist noch im Bau und wir haben erst vor kurzem, Anfang 2023, eine Etage fertig ausgebaut und bezogen. 

Dennoch haben wir versucht, bestimmte Umweltprobleme, bei denen wir die Möglichkeit haben, einen positiven Beitrag zu leisten, anzugehen.

Mitte März haben wir mit vielen Mitgliedern der lokalen Community über das Müllproblem in den Straßen gesprochen und eine gemeinsame Müllsammelaktion gestartet. Wir hoffen, dass wir dieses Engagement durch weitere Maßnahmen weiterführen können. Allerdings stellen sich hier viele Herausforderungen, denn wenn der Müll gesammelt ist, wird dieser leider noch längst nicht abgeholt oder ressourcenschonend recyclet. Das bedeutet, hier stoßen wir vermutlich an Grenzen, aber wir werden uns weiter mit dem Thema Plastikmüll beschäftigen. 

Eine andere Sache ist, dass wir prüfen, ob wir unsere IT vollständig mit erneuerbaren Energien betreiben können. Dazu lassen wir uns aktuell Angebote für PV-Anlagen auf dem Dach unseres Büros geben. Eigentlich folgerichtig, denn hier scheint die Sonne fast durchgehend. Der Strom, der aus dem Netz kommt, hat hingegen einen hohen Kohlestromanteil (im Jahr 2020 waren es bspw. rd. 72 %). Insofern kann man tatsächlich unmittelbar einen positiven Beitrag leisten, wenn man den eigenen Strom selbst aus Solarenergie erzeugt. 

Sind Eure Leistungen dann nicht viel teurer als bei anderen IT-Outsourcing-Unternehmen? Ist Euer Angebot für Kunden überhaupt noch attraktiv?

Es stimmt, der Preis war und ist natürlich für Unternehmen aus USA, Europa und Deutschland der entscheidende Faktor, sich für IT-Outsourcing zu entscheiden. Gerade in Deutschland kommt aber noch ein weiterer wichtiger Faktor dazu: Der Fachkräftemangel. Das bedeutet, die Unternehmen wollen gar nicht unbedingt das Sparschwein machen, sondern haben keine andere Wahl, als sich abseits der gewohnten Pfade (Stepstone und wie sie heißen) nach Fachkräften umzusehen. 

Das bedeutet dann auch, dass der Preis eben nicht mehr das einzige Kriterium ist. Hinzu kommt, wie oben schon dargestellt, dass die Pflichten nach dem Lieferkettengesetz die Unternehmen zwingen, genauer bei ihren Dienstleistern hinzuschauen. Dann gibt es natürlich auch noch solche Unternehmen, die sich Soziales oder sustainability als Unternehmenszweck auf die Fahnen geschrieben haben, Green Startups oder Impact Startups zum Beispiel. Diese Unternehmen können es sich schon aufgrund ihrer Reputation gar nicht leisten, nicht sozial verantwortungsbewusstes IT-Outsourcing zu nutzen. 

Zuletzt gehen wir aber auch davon aus, dass wir preislich durchaus mithalten können in der Offshore-IT-Branche. Wir rangieren hierbei vielleicht nicht im untersten Segment. Aber gerade unsere akribische und kostenbewusste Planung, natürlich auch durch die Unterstützung unserer indischen Partner beim Bau und Einrichtung des Office, hat dazu geführt, dass wir bislang wenig Overhead entwickeln, den wir an unsere Kunden weitergeben müssen. 

Um es für unsere Kunden transparent zu machen und diesen die Entscheidung, bei uns ein Angebot anzufragen, möglichst einfach zu machen, haben wir uns außerdem entscheiden, unsere Preise transparent in einer Preisliste aufzuschlüsseln. Diese findet Ihr z.B. auf unserer Webseite. Auch damit heben wir uns von den meisten Wettbewerbern ab, die Preise erst bei einer konkreten Anfrage mitteilen.